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Innere Anteile als Sphinx
Identitätinneres KindEgo StatesNeuroplastizitätSelbstentwicklung

27. April 2026•12 Min

Wie Identität entsteht: Dein Weg zu deinem wahren Selbst

Entdecke, wie deine Kindheitsfreude, innere Anteile und neurowissenschaftliche Erkenntnisse dir zeigen, dass Identität ein wandelbarer Prozess ist – und wie du mit kleinen täglichen Handlungen dein wahres Selbst leben kannst.

Wer bin ich wirklich?

Wie entsteht Identität und warum wartet ein Teil von dir schon lange darauf, gelebt zu werden? Oft beginnen wir etwas mit voller Ernsthaftigkeit und handeln dann nicht – oder genau das Gegenteil. Die Frage, wer hier entscheidet, führt direkt zur Identität. Die Antwort liegt hier übrigens nicht in deiner Disziplin, sondern in einem viel komplexeren Prozess, den wir im Alltag als „Charakter“ bezeichnen. Identität ist nichts Starres. Vielleicht ist es sogar besser greifbar, wenn wir es uns als ein Narrativ vorstellen, das wir uns selbst erzählen.

Was ist Identität?

Identität ist kein festes Etikett, sondern ein Prozess: und die Psychologie zeigte bereits eindrücklich, dass sie vielmehr eine Geschichte ist, die wir uns unbewusst immer wieder erzählen und immer wieder sogar auch erneut "schreiben". Identität beeinflusst, was wir wahrnehmen, welche Risiken wir eingehen und was wir uns erlauben. Sie ist wie eine Brille, die wir uns aufsetzen (die uns aufgesetzt wurde?), durch die wir die Welt sehen und verstehen.

Das narrative Selbst

Der Persönlichkeitsforscher Dan McAdams beschreibt Identität als ein narratives Selbst – diese innere Erzählung, die aus unseren Erfahrungen gewebt wird. Diese Geschichte ist real, hat Konsequenzen ist aber auch veränderbar.

Predictive Processing

Karl Friston hingegen bezeichnet das Gehirn als "Vorhersagemaschine". Es schreibt die Geschichte, bevor sie passiert, und filtert alles heraus, was nicht ins bestehende Selbstbild passt. So bestimmt das, was wir glauben zu sein, buchstäblich unsere Wahrnehmung. Schau gern wenn es dich interessiert hier einmal tiefer hinter die Kulissen. Unten findest du die vollständige Literaturliste.

Innere Anteile

Stell dir einmal vor, in dir leben mehrere Versionen: ein mutiger Teil, ein vorsichtiger Teil, ein Teil, der Grenzen setzen will, und ein anderer, der das nicht kann. Diese inneren Stimmen werden in der Psychotherapie als Ego‑States oder Anteile bezeichnet. Wir sind zu unserem Vorgesetzten anders, als zu unseren Kindern, als zu unserem Partner, Eltern usw. – das ist keine unnatürliche Spaltung, sondern das ist ganz "normal" und auch vollkommen okay so. Jeder hat unterschiedliche innere Anteile, die in verschiedenen Situationen ausagiert werden.

Anteile als Ego States verstehen

Kai Fritzsche beschreibt Anteile als Ego‑States "eigenständige psychische Strukturen mit eigenen Überzeugungen, Gefühlen und Geschichten". Vielleicht hast du auch von Richard Schwartz’ IFS‑Ansatz einmal gehört, das System der inneren Familie. Oder von Stefanie Stahls "Schattenkind und Sonnenkind." All diese Ansätze arbeiten mit einem ähnlichen Verständnis, was unter anderem auch zeigt, dass alle Anteile ursprünglich eine Schutzfunktion hatten.

  • Ein Teil will mutig sein.
  • Ein anderer ist vorsichtig.
  • Ein Teil möchte Grenzen setzen.
  • Ein anderer muss geschützt werden.
  • Ein weiterer zweifelt an allem.

Und die Verkörperung der Anteile?

Die finden wir wissenschaftlich nochmal in der Polyvagal‑Theorie, von Stephen Porges erklärt. Denn vorallem sie liefert uns eine Erklärung dafür, warum Anteile so hartnäckig in unserem inneren System verankert bleiben. Und sich durch Situationen triggern lassen! Der Chef macht uns klein und zack, wir fühlen uns wieder wie damals mit 16. Und reagieren prompt so bockig wie damals. Denn das autonome Nervensystem vergisst nicht! Es speichert Sicherheits‑ und Bedrohungserfahrungen als körperliche Zustände. (Bessel van der Kolk und Peter Levine). Und diese Überlebensmuster laufen lange nach der ursprünglichen Situation weiter. Und damit auch ihre Reaktionsmuster. Das ist übrigens einer der Gründe, warum auch Erwachsene manchmal wie kleine Kinder oder Teenager reagieren, wenn sie zum Beispiel "getroffen" sind. Unsere Schutzmechanismen entsprechen dabei unseren Stressreaktionen des Nervensystems.

  • Fight – Kampf: Konflikt mit Chef wird mit Worten ausgetragen.
  • Flight – Flucht: Dem Chef wird mit Verlassen des Raumes begegnet.
  • Freeze – Starre: Es kommen keine Worte, Handlungsfähigkeit ist eingeschränkt. Man steht gelähmt vor dem Chef.
  • Fawn – Beschwichtigung: Viele Entschuldigungen folgen, Überstunden, mehrfache Rückversicherungen.
  • Wichtig: (Dies sind alles nur fiktive Reaktionsmuster). Für die Vertiefung empfehle ich den 1:1 Austausch mit einer Fachperson.

Das Hebb‑sche Prinzip („Neurons that fire together, wire together“) zeigt, dass Identität ein neuronales Muster ist. Durch Wiederholung stärken sich die Verbindungen, und Neuroplastizität bleibt bis ins hohe Alter erhalten – dank Forschungen von Michael Merzenich. Wie drehen wir das ganze aber um? Lies weiter!

Dein Aha‑Moment

Jetzt erstmal Genug mit der Theorie. Atme einmal tief ein und lange aus und lies mit deinem Herzen: Du bist nicht einfach so, wie du bist. Du hast gelernt, so zu sein. Und all Gelernte kann NEU gelernt werden, nicht durch Willenskraft, sondern durch Verständnis. Durch dein Bewusst-sein. Daher kommt auch der Satz "es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit."

Lass uns in die Kindheit schauen

Wenn wir uns zurückerinnern, dann können wir kleine Hinweise darauf finden, was uns wirklich – ohne die Zwiebelschichten, die wir uns im Laufe des Lebens angelegt haben – ausmacht. Was uns zu 100% entspricht.

Hier liegt der Hinweis auf DEINE Freuden

Denn genau hier liegt ein kleiner Zauber für jeden. Auch, wenn du dich vielleicht an nicht allzu viel aus deinen Kindheitstagen erinnern kannst. Vielleicht gibt es Bilder oder Erzählungen über dich. Dinge, die DU gern getan hast. Ohne, dass jemand dich dazu aufgefordert hat. Einfach, weil es DIR Freude gemacht hat. Was war das? Nimm dir hier gern einen Moment und halte einmal inne, denk einmal nach. Versetz dich in dich als Kind. Was hast du wirklich gern gemacht. Vielleicht sogar ausdauernd. Mit Hingabe. Mit einem Lächeln. Waren es Momente in der Natur? Hast du gern gebastelt? Gesungen? Gemalt? Mit Tieren Zeit verbracht? Dich um dein kleines Geschwisterchen gekümmert? Waldhütten gebaut? Was war es in DEINER Kindheit?

"Ein Blick in die schönen Momente meiner Kindheit gibt mir auch heute wieder eine Chance, mich besser zu verstehen. Und vielleicht sogar das eine oder andere heute wieder zu tun. Als erwachsene Person. Für mehr Erfüllung. Mehr kleine Freuden im Alltag. Wieder mehr von dem, was MIR entspricht."
Dieses Zitat stammt aus einer Coaching-Session in 2025

Nutze gern folgende Reflektionsfragen für dich:

Was hat mir als Kind intrinsisch Freude gemacht, ohne dass jemand es belohnt hätte? Welcher Anteil von mir ist in meinem heutigen Leben still geworden? Welche eine kleine Handlung würde der Mensch heute tun, der ich sein möchte? Diese Fragen haben keine schnellen Antworten. Sie wollen gesessen werden. Vielleicht kommen sie nachts, unter der Dusche, beim Spazierengehen. Das ist gut so. Das ist der Prozess.

Identitätswandel? Durch Handeln!

Um wieder bei uns anzukommen braucht es zunächst Bewusstsein. Eine Beobachterperspektive. Eine Stimme in uns die bezeugt, dass Anteile überhaupt in uns stattfinden. Übernehmen, sich abwechseln, geschützt werden. Diesen Prozess kannst du bereits selbst durch Achtsamkeit, Biofeedback, Austausch und auch die Anteile-Arbeit innerhalb eines Coachings oder einer Therapie anstoßen. Um danach wieder mehr aus deinem "selbst" heraus zu agieren. Ich mag dabei sehr die 1% Methode von James Clear.

1‑Prozent‑Methode

Wähle hierzu gern einmal eine kleine, konkrete Handlung, die der gewünschte Teil von dir heute ausführen würde. Wiederhole sie täglich – drei Mal fünf Minuten reichen, um das neuronale Muster zu verändern. 1% von dem, was du eigentlich leben willst. Was du erreichen möchtest! Es reicht, wenn du klein anfängst und stattdessen jeden Tag einen Erfolg feierst. Weil du dir immerhin schonmal die Sportsachen rausgelegt hast. Schonmal einen Liegestütz in deiner Mittagspause (nur einen) gemacht hast. Denk an das Hebb‘sche Prinzip: Neuronen die gemeinsam feuern, verbinden sich. Wenn du etwas tust und es sich wie ein Erfolg anfühlt. Und machbar, wirst du es eher morgen nochmal machen, dann vielleicht mit 2%. So kommst du in deine Kraft! Dein Nervensystem hält dich sonst im Alten, einfach, weil es sich "bekannter anfühlt". Das mag unser System. Bekanntes, vorhersehbares. Selbst, wenn uns das nicht guttut. Aus dem Grund bleiben Menschen in destruktiven Mustern.

Dein Impuls für diese Woche

Wähle doch gern mal einen "verschütteten" Anteil – einen, den du vielleicht durch dein erwachsenes Leben nicht mehr leben kannst. Der aber einmal da war. Vielleicht den freien, neugierigen oder spielerischen Teil. Findest du einen? Schenke ihm doch diese Woche einige Minuten, in denen du DAS tust (1% davon!), was dieser Anteil sich wünscht. Was ihn glücklich macht. Denn das kann bei dir am ende dafür sorgen, dass sich dein Leben nach DIR anfühlt. Zufriedener. Leichter. Mehr deins. Nicht das des Hamsterrads. Des funktionierens.

Möchtest du mehr?

Dieses Thema bewegt viele! Und deshalb habe ich ihm im Memberbereich diverse Inhalte gewidmet. Probiere es doch gern mal aus und melde dich im Memberbereich an. Hier warten Videos auf dich, geführte Reflexionsübungen und Meditationen. Im monatlichen Membercall für alle Mitgleider üben wir alles und wenden das gelernte an. Melde dich an, um tiefer einzusteigen. Du kannst jederzeit kündigen. Probiere es aus!

Vielleicht ist das bereits dein 1 Prozent? Diese Woche? Du hast unendliches Potential! Anfangen musst du jedoch selbst. Und dieses "selbst" ist das größte Geschenk, was du dir machen kannst.
Wenn du magst: Schreib mir, welcher Anteil das für dich ist. Ich freue mich wirklich auf deine Antwort.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest > hier ist deine Literaturliste (= Literaturverzeichnis für diesen Journal Eintrag): Psychologische Modelle & innere Anteile Stahl, S. (2015). Das Kind in dir muss Heimat finden. München: Kailash Verlag. Stahl, S. (2022). Wer wir sind. Wie unser Selbstbild entsteht und warum es darauf ankommt. München: Kailash Verlag. Fritzsche, K. (2014/2024). Praxis der Ego-State-Therapie (5. Aufl.). Heidelberg: Carl-Auer Verlag. Fritzsche, K., & Hartman, W. (2010). Einführung in die Ego-State-Therapie. Heidelberg: Carl-Auer Verlag. Internal Family Systems (IFS) Schwartz, R. C. (2021). No Bad Parts. Healing Trauma and Restoring Wholeness with the Internal Family Systems Model. Boulder, CO: Sounds True. Schwartz, R. C. (2023). Introduction to Internal Family Systems. Boulder, CO: Sounds True. ISBN 978-1-64963-043-5. Schwartz, R. C. (2008). You Are the One You've Been Waiting For. Bringing Courageous Love to Intimate Relationships. Oak Park, IL: Trailheads Publications. Traumaforschung & körperbasierte Ansätze van der Kolk, B. (2014). The Body Keeps the Score. Brain, Mind, and Body in the Healing of Trauma. New York: Viking / Penguin. Levine, P. A. (1997). Waking the Tiger. Healing Trauma. Berkeley, CA: North Atlantic Books. Levine, P. A. (2010). In an Unspoken Voice. How the Body Releases Trauma and Restores Goodness. Berkeley, CA: North Atlantic Books. Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory. Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation. New York: W. W. Norton. Neurowissenschaft & kognitive Modelle Friston, K. (2010). The free-energy principle: a unified brain theory? Nature Reviews Neuroscience, 11, 127–138. Merzenich, M. (2013). Soft-Wired. How the New Science of Brain Plasticity Can Change Your Life. San Francisco: Parnassus Publishing. Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2012). Acceptance and Commitment Therapy. The Process and Practice of Mindful Change (2nd ed.). New York: Guilford Press. Identität & narratives Selbst McAdams, D. P. (1997). The Stories We Live By. Personal Myths and the Making of the Self. New York: Guilford Press. Verhalten & Identitätsentwicklung Clear, J. (2018). Atomic Habits. An Easy and Proven Way to Build Good Habits and Break Bad Ones. New York: Avery / Penguin Random House. Clear, J. (2019). Die 1%-Methode. Minimale Veränderung, maximale Wirkung. München: Goldmann Verlag.

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